Fachthema

Bodenaufbau & Untergrund

Sichtbar ist am Ende eine Schicht. Ausgeführt werden fünf bis sieben , und über die Haltbarkeit entscheiden die, die niemand mehr sieht.

Prüfung
CM-Messung, Ebenheit, Festigkeit
Grundlage
DIN 18560, 18534, 18202
Gilt für
Fliese, Naturstein, Parkett, Vinyl
Estrichprüfung vor dem Belag: Richtscheit mit Messkeil, markierter Riss und eine für die Feuchtemessung herausgestemmte Materialprobe

Warum diese Seite existiert

Die häufigste Ursache für einen Belagsschaden ist kein Materialfehler. Sie ist eine Schicht darunter: ein zu feuchter Estrich, eine fehlende Grundierung, eine unterbrochene Abdichtung, ein hohl liegendes Kleberbett.

Diese Fehler sind im fertigen Zustand unsichtbar und lassen sich nicht nachbessern. Der Belag muss wieder heraus. Deshalb steht die Prüfung des Untergrunds bei uns vor der Kalkulation und nicht vor der Ausführung.

CM-Messung vor jedem Holzbelag
Ebenheit nach DIN 18202 geprüft
Hohllagen und Risse dokumentiert
Abdichtung als eigene Angebotsposition

Der Aufbau im Schnitt

Drei typische Aufbauten. Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jede Schicht setzt voraus, dass die darunter richtig ausgeführt wurde.

Schnitt, schematisch
  1. 8 bis 12 mmFliese, Naturstein oder Mosaik

    Die fertige Oberfläche, vom Mosaik bis zum XXL-Format. Format und Material bestimmen alles darunter.

  2. 3 bis 6 mmDünnbettmörtel

    Bei Großformat im Floating-Buttering-Verfahren: Kleber auf Untergrund und auf die Plattenrückseite, damit keine Hohllagen bleiben.

  3. 2 LagenVerbundabdichtung

    Im Nassbereich die entscheidende Schicht. Ist sie unterbrochen, wandert Feuchtigkeit in den Estrich. Sichtbar wird das erst nach Monaten.

  4. je nach AufbauEntkopplung / Schallschutz

    Nimmt Spannungen aus dem Untergrund auf, damit ein Riss im Estrich nicht in die Fliese durchschlägt. Wird oft mit der Abdichtung in einer Bahn kombiniert.

  5. HaftbrückeGrundierung

    Stellt die Saugfähigkeit ein, auf die Abdichtung und Kleber ausgelegt sind, und bindet lose Partikel.

  6. 2 bis 10 mmNivellierung

    Gleicht Höhen und Unebenheiten aus. Bei Großformat entscheidet die Ebenheit über Überzähne an den Fugen.

  7. 45 bis 65 mmEstrich

    Trägt die Last. Die Belegreife wird per CM-Messung nachgewiesen, nicht geschätzt.

  8. BestandUntergrund / Rohdecke

    Was vorhanden ist. Zustand, Feuchte und Tragfähigkeit werden geprüft, bevor irgendetwas kalkuliert wird.

Schnitt, schematisch
  1. 10 bis 22 mmParkett oder Massivholz

    Die fertige Oberfläche wird geölt oder lackiert. Holz reagiert auf Feuchte . deshalb entscheidet der Messwert im Estrich darüber, wann verlegt wird, nicht der Termin.

  2. ca. 1 kg/m²Parkettkleber

    Vollflächig verklebt: ruhiger im Trittschall, stabiler über der Fußbodenheizung, der Belag arbeitet weniger.

  3. je nach AufbauEntkopplung / Trittschall

    Nimmt Spannungen aus dem Untergrund auf und reduziert die Schallübertragung in die Wohnung darunter.

  4. HaftbrückeGrundierung

    Sperrt Restfeuchte ab und bindet die Oberfläche des Estrichs.

  5. 2 bis 10 mmNivellierung

    Bei dünnen und elastischen Belägen zeichnet sich jede Unebenheit durch. Hier ist die Spachtelung die eigentliche Leistung.

  6. 45 bis 65 mmEstrich

    CM-Messung vor der Verlegung. Ein zu feuchter Estrich lässt Parkett schüsseln , und zwar Monate nach der Übergabe.

  7. BestandUntergrund / Rohdecke

    Prüfung auf Risse, Hohllagen, Altkleber und Sinterschichten.

Schnitt, schematisch
  1. 10 bis 20 mmKeramik oder Naturstein

    Die fertige Oberfläche, außen frostbeständig und rutschhemmend. Das Material muss zum Aufbau passen, nicht umgekehrt.

  2. 30 bis 50 mmDrainmörtel oder Dickbett

    Wasserdurchlässig aufgebaut, damit sich unter dem Belag nichts staut. Stehendes Wasser sprengt bei Frost die Fuge auf.

  3. flächigAbdichtung und Drainage

    Führt Wasser kontrolliert ab. Der häufigste Schaden auf Balkonen ist kein Materialfehler, sondern Wasser ohne Weg.

  4. ca. 2 % GefälleGefälleestrich

    Ohne Gefälle bleibt Wasser stehen, unabhängig davon, wie gut die darüberliegenden Schichten ausgeführt sind.

  5. BestandBauwerksabdichtung / Rohdecke

    Zustand und vorhandene Abdichtung werden vorab beurteilt. Bei alten Balkonen ist das der Punkt, an dem der Umfang sich entscheidet.

Von oben nach unten. Die Angaben sind übliche Größenordnungen. Der tatsächliche Aufbau ergibt sich aus dem Bestand, dem gewählten Material und dem Einsatzort und wird vor der Kalkulation festgelegt.

Untergrundprüfung

Was geprüft wird

01
FeuchtigkeitCM-Messung

Die Feuchtigkeitsmessung erfolgt als CM-Messung: Der Estrich wird an einer definierten Stelle aufgestemmt und das Material im Druckbehälter mit Calciumcarbid gemessen. Erst der Messwert entscheidet über die Belegreife.

Ohne Messung: Parkett schüsselt sich, elastische Beläge lösen sich, Fliesen im Verbund reißen an den Fugen.

02
EbenheitRichtscheit und Messkeil

Die Abweichung wird über definierte Messstrecken aufgenommen und mit den zulässigen Toleranzen nach DIN 18202 verglichen.

Ohne Prüfung: Der Spachtelbedarf zeigt sich erst auf der Baustelle und landet als Nachtrag im Raum. Bei Großformat entstehen Überzähne an den Fugen.

03
Festigkeit und RisseGitterritzprüfung, Abklopfen

Die Oberfläche wird angeritzt und die Fläche systematisch abgeklopft, um Hohllagen und lose Zonen zu finden. Ein alter, gerissener oder stellenweise gebrochener Estrich wird in seinem Zustand beurteilt und nicht überdeckt.

Ohne Prüfung: Ein hohl liegender oder rissiger Estrich trägt den neuen Belag nicht. Risse arbeiten weiter und zeichnen sich nach oben durch, je nach Befund werden sie kraftschlüssig verharzt, die Fläche wird entkoppelt oder der Estrich erneuert.

04
Altbeläge und RückständeSichtprüfung und Probefläche

Kleberreste, Trennmittel und Sinterschichten auf Calciumsulfatestrich werden erkannt und mechanisch entfernt oder abgeschliffen.

Ohne Entfernung: Was liegen bleibt, wird zur Trennschicht. Die Verklebung greift dann nicht in den Untergrund, sondern in die Altschicht.

05
Höhen und AnschlüsseAufmaß am Objekt

Türblätter, Zargen, Schwellen, Heizkörperanschlüsse und Übergänge zu Nachbarräumen werden eingemessen.

Ohne Aufmaß: Der geplante Aufbau passt nicht in die vorhandene Höhe. Türen schleifen, Übergänge werden zur Stolperkante.

Materialkompatibilität

Sechs Entscheidungen, die zusammenpassen müssen

Belag, Kleber, Grundierung, Abdichtung, Ausgleich und Fuge bilden ein System. Passt ein Glied nicht, hält die Kette nicht.

01
Untergrund

Zement- oder Calciumsulfatestrich, Rohdecke, Altbelag. Jeder Untergrund verlangt eine andere Vorbehandlung. Auf Calciumsulfatestrich muss die Sinterschicht abgeschliffen werden, sonst greift nichts, was darauf kommt.

02
Grundierung

Wird nach Saugfähigkeit und Material gewählt. Eine falsche Grundierung wirkt als Trennschicht statt als Haftbrücke. Der teuerste Fehler auf dieser Liste, weil er unsichtbar ist.

03
Ausgleich

Die Nivelliermasse muss zum Untergrund und zur geplanten Schichtdicke passen. Jede Masse hat eine Mindest- und eine Maximaldicke; darunter reißt sie, darüber bindet sie nicht durch.

04
Abdichtung

Im Nassbereich als Verbundabdichtung unter dem Belag, mit systemzugehörigen Dichtbändern an Ecken, Anschlüssen und Durchdringungen. Systemfremde Kombinationen sind der Punkt, an dem im Schadensfall niemand haftet.

05
Kleber

Muss zu Belag, Format und Untergrund passen. Heller Naturstein braucht einen verfärbungsfreien, kristallin abbindenden Kleber; ein Standard-Dünnbett schlägt von unten durch und ist nicht mehr zu korrigieren.

06
Belag und Fuge

Fugenbreite und Fugenmaterial ergeben sich aus Format, Belastung und Einsatzort. Eine 2K-Epoxidfuge ist chemikalienbeständig und verfärbt nicht, verzeiht aber kein unsauberes Kleberbett, weil sie nicht nachgibt.

Ausführung

Verlegeverfahren

bis ca. 5 mm

Dünnbett

Das Standardverfahren auf einem ebenen, vorbereiteten Untergrund. Der Kleber wird mit der Zahnkelle abgezogen, die Zahnung richtet sich nach Format und Plattenrückseite.

Setzt einen ebenen Untergrund voraus. Toleranzen lassen sich im Dünnbett nicht ausgleichen. Dafür ist die Spachtelung da.

ca. 5 bis 30 mm

Mittel- und Dickbett

Für Naturstein mit ungleichmäßiger Rückseite, für kalibrierte Platten und dort, wo größere Höhenunterschiede aufgenommen werden müssen.

Aufwendiger und materialintensiver, dafür die richtige Wahl bei Naturstein und im Außenbereich.

kombiniert

Floating-Buttering

Kleber wird auf den Untergrund abgezogen und zusätzlich auf die Plattenrückseite aufgetragen. Beide Schichten treffen sich beim Einlegen.

Bei Großformat, Naturstein, Außenbereich und stark belasteten Flächen die einzige Methode, die eine vollflächige Bettung ohne Hohlräume sicherstellt.

Standards

Technische Grundlagen

DIN 18560
Estriche im Bauwesen

Aufbau, Dicke und Anforderungen an Estriche. Grundlage für die Beurteilung des vorhandenen Estrichs.

DIN 18534
Abdichtung von Innenräumen

Regelt, welche Wassereinwirkungsklasse welche Abdichtung verlangt. Bestimmt im Bad, was ausgeführt werden muss.

DIN 18202
Toleranzen im Hochbau

Zulässige Ebenheitsabweichungen. Der Maßstab, an dem sich Spachtelbedarf objektiv bemessen lässt.

DIN 18352
Fliesen- und Plattenarbeiten

Die VOB/C-Ausführungsnorm für unser Kerngewerk, einschließlich Neben- und besonderen Leistungen.

DIN 18365
Bodenbelagarbeiten

Die entsprechende Norm für Parkett-, Vinyl- und Designbeläge.

Merkblätter
ZDB und Herstellerangaben

Die Fachmerkblätter des Fliesengewerbes und die technischen Merkblätter der eingesetzten Systeme. Sie regeln das, was in keiner Norm im Detail steht.

Unsicher, was unter Ihrem Boden liegt?

Beim Termin am Objekt wird das gemessen, nicht geschätzt.

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